Handschriftencensus

Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz Philipps-Universität Marburg

Eine Bestandsaufnahme der handschriftlichen Überlieferung deutschsprachiger Texte des Mittelalters

Handschriftenbeschreibung 5030

Aufbewahrungsort | Inhalt | Kodikologie | Forschungsliteratur

Aufbewahrungsort 

InstitutionArtUmfang
Karlsruhe, Landesbibl., Cod. Donaueschingen 120CodexV + 322 + VI Seiten (aus 2 Teilen zusammengesetzt, I: S. 1-204; II: S. 205-322)

Inhalt 

Teil I:
S. 1-3 = leer
S. 5-116 = Hugo Ripelin von Straßburg: 'Compendium theologicae veritatis', dt. / Südrheinfränkische Version (A) (Do 1)
S. 117-204 = 'Der Seelen Wurzgarten' (D1) (nur Teil 1: 'Bewährung, daß die Juden irren', unvollständig)

Teil II: 'Donaueschinger Liederhandschrift'
S. 205-209 = Lied in Kanzlers Goldenem Ton Ein wachter sues uerkundet 
S. 210-211 = Lied in Kanzlers Goldenem Ton Ein wort in der driualten 
S. 212-215 = Nestler von Speyer: Lied in seinem Unbekannten Ton Ich súnge gerne lise (D)
S. 216-218 = Peter von Sachsen: Marienlied im Barantton Maria, gnútig, zúchtig
S. 218-219 = Mönch von Salzburg: Lied G 9 in Peters von Sachsen Barantton
S. 219-222 = Albrecht Lesch: 'Goldener Reihen' Ave Maria, dich lobet musica
S. 222-224 = Mönch von Salzburg: Lied G 33,1 
S. 225-226 = Lied in Reinmars von Zweter Frau-Ehren-Ton Ich weiß ein rose wol gestalt
S. 227-233 = Lied in Römers Gesangweise Salve regina, mater misercordie
S. 233-236 = Reinmar von Zweter: Lied in seinem Frau-Ehren-Ton Es wont ein magt uf erden hie
S. 236-241 = Lied in Frauenlobs Überzartem Ton Heýliger geist, herlucht min synne kamer
S. 241-244 = Lied in Frauenlobs Überzartem Ton In ewikeit got 
S. 245-248 = Lied in Frauenlobs Gekröntem Reihen Sint froelich fraw 
S. 249-251 = Lied in Frauenlobs Langem Ton Esaias, der schribet so, der gottes knecht  
S. 252-254 = Lied in Frauenlobs Langem Ton Ist iemant hie, der mit gesang schallen wil?
S. 255-257 = Lied in Frauenlobs Goldenem Ton Ivung sun und alter vatter
S. 257-260 = Lied in Fritz Kettners Osterweise Der kuengin ich ob allen kungin dienen wil
S. 260-261 = Lied in Fritz Kettners Osterweise Vil hundert tusent wachten einen man
S. 262-264 = Lied in Frauenlobs Neuem Ton Wer half Adam us not in fure / der helle
S. 265-271 = Lied in Frauenlobs Neuem Ton Wilt mensche, tragen aller bilde 
S. 271-274 = Lied in Frauenlobs Neuem Ton From was Johan Ewangeliste 
S. 275-278 = Lied in Frauenlobs Tannton Ich kam geritten uf ein feld 
S. 278-280 = Lied in Frauenlobs Froschweise Ein eý gelich, ist sinewel 
S. 280-282 = Lied in Frauenlobs Gekröntem Ton Gar starck bekant ist der helfant 
S. 282-287 = Lied in Frauenlobs Hundweise (Kelins Ton III) Maria, kuniginne 
S. 287-291 = Lied in Frauenlobs Zartem Ton Svn, du bist sun, sun vsertracht 
S. 291-295 = Lied in Frauenlobs Zartem Ton Maria, du bist das berent riß 
S. 296-297 = Lied in Frauenlobs Zartem Ton Maria, bluendes mandel ris 
S. 297-299 = Lied in Frauenlobs Zartem Ton Mu edel tochter von Sÿon 
S. 299-301 = Lied in Frauenlobs Zartem Ton Ich wil uerbannen vnd verban / kunstlosen man 
S. 302-304 = Lied in Frauenlobs Zartem Ton Man fragt, wo got behuset wer 
S. 305-307 = Lied in Frauenlobs Zartem Ton Johannes lag vff gottes brúst 
S. 307-308 = Lied in Frauenlobs Zartem Ton Maria hoher Himel stam
S. 308-309 = Lied in Frauenlobs Zartem Ton Got nam an sich die menscheit 
S. 310-311 = Lied in Frauenlobs Zartem Ton Goetliche crafft uermeret sich 
S. 312-313 = Lied in Frauenlobs Grünem Ton Her Simeon, der wise 
S. 313-314 = Lied in Frauenlobs Ritterweise Maria, mueter, reine meit 
S. 315-318 = Lied in Frauenlobs Leidton Fruchtbernde frucht, der welte trost 
S. 318-319 = Lied in Frauenlobs Zartem Ton Die meister wol gedichtet han, / gesang 
S. 319-321 = Lied in Frauenlobs Zartem Ton Armuet, dich hasset manig man 
S. 322 = leer

Kodikologie 

BeschreibstoffPapier
Blattgröße282 x 208 mm
SchriftraumI: 180 x 135 mm; II: 220 x 140 mm
SpaltenzahlI: 2; II: 1
ZeilenzahlI: 32-38; II: bis zu 35
StrophengestaltungII: Strophen abgesetzt
VersgestaltungI: Verse nicht abgesetzt
Besonderheitenmehrere Besitzeinträge des 16. Jh.: Magtalena Frenckin (?) zu Münsterlingen (S. 3), Frans Spies 1578 (S. 1), Das búoch gehört Meliora Mucheim, des conuents in Hermetisvvill, schenckte mirs min hertzlieber vatter, Niclús Múcheim, Landschriber zu Vrÿ jn anno 1589, ward im zu Müllhusen mit einem drúnck (S. 3)

nur in II: Choralnoten des lothringischen Typs auf fünf Linien (C-Linie gelb, F-Linie rot) (Eichenberger/Mackert)

Ausstattung (vgl. Kat. dtspr. ill. Hss., Eichenberger/Mackert): I: Zierseiten zu Beginn der Vorrede sowie der Buchanfänge (S. 5, 7, 93); Blatt- und Blütenranken und -leisten sowie floraler Randdekor, oft zu Kapitelenden und -anfängen; 5-10-zeilige Initialen zu Kapitelanfängen (ab S. 138 abnehmendes Ausstattungsniveau, oft nur einfache oder fehlende (S. 171-175, 178-183) Lombarden); 4 figürliche, kolorierte Federzeichnungen „im naiven Stil der oberrheinischen Nonnenmalerei“ (Kat. dtspr. ill. Hss., hier S. 8) (S. 4, 6, 20, 92)
II: Der Buchschmuck weist stilistische Parallelen zu I auf, stammt jedoch von einer anderen Hand: Blatt- und Blütenranken und -leisten sowie floraler Randdekor; meist 3-5-zeilige Initialen zu Lied- und Strophenanfängen (ab S. 304 abnehmendes Ausstattungsniveau, ab S. 318 fehlende Initialen); S. 227: ca. 20-zeilige Initiale; 8 figürliche, kolorierte Federzeichnungen (S. 264, 274, 278, 280, 281, 287, 291, 311 (neben diesem Bild: Federzeichnung von einer späteren Hand))
Entstehungszeitum 1485 (Schlechter S. 106); I: um 1480/1490, II: 1485-1490 (Eichenberger/Mackert, WZ)
Schreibsprache(südl.) Oberrheinisch (Eichenberger/Mackert); Ortenau (Steer S. 201-207)
Schreibortwohl Zisterzienserinnenkloster Wonnental (Kat. dtspr. ill. Hss.)

Forschungsliteratur 

Abbildungen
(in Auswahl)
  • Farb-Abbildung des Codex
  • Schlechter S. 107 [= p. 280, in Farbe]
Literatur
(Hinweis)
  • Karl August Barack, Die Handschriften der Fürstlich-Fürstenbergischen Hofbibliothek zu Donaueschingen, Tübingen 1865 (Nachdruck Hildesheim/New York 1974), S. 123f. [BSB online] [Google Books]
  • Franz Viktor Spechtler (Hg.), Die geistlichen Lieder des Mönchs von Salzburg (Quellen und Forschungen zur Sprach- und Kulturgeschichte der germanischen Völker 51 [175]), Berlin/New York 1972, S. 65-67 (Nr. 21).
  • Georg Steer, Zur Entstehung und Herkunft der Donaueschinger Handschrift 120 ('Donaueschinger Liederhandschrift'), in: Würzburger Prosastudien II. Untersuchungen zur Literatur und Sprache des Mittelalters. Kurt Ruh zum 60. Geburtstag, hg. von Peter Kesting (Medium Aevum 31), München 1975, S. 193-210.
  • Frieder Schanze, Meisterliche Liedkunst zwischen Heinrich von Mügeln und Hans Sachs, Bd. II: Verzeichnisse (MTU 83), München 1984, S. 119-122, 162f.
  • Werner Williams-Krapp, Exempla im heilsgeschichtlichen Kontext. Zum 'Seelenwurzgarten', in: Exempel und Exempelsammlungen, hg. von Walter Haug und Burghart Wachinger (Fortuna vitrea 2), Tübingen 1991, S. 208-222, hier S. 214.
  • Armin Schlechter, Donaueschinger Liederhandschrift, in: "Unberechenbare Zinsen". Bewahrtes Kulturerbe. Katalog zur Ausstellung der vom Land Baden-Württemberg erworbenen Handschriften der Fürstlich Fürstenbergischen Hofbibliothek, hg. von Felix Heinzer, Stuttgart 1993, S. 106f. (Nr. 27).
  • Elisabeth Wunderle, Die Sammlung von Meisterliedern in der Heidelberger Handschrift cpg 680. Edition und Kommentar (Göppinger Arbeiten zur Germanistik 584), Göppingen 1993, S. XXI-XXII (Sigle u).
  • Jens Haustein, Marner-Studien (MTU 109), Tübingen 1995, S. 274.
  • Lorenz Welker, Donaueschinger Liederhandschrift, in: Die Musik in Geschichte und Gegenwart. 2., neubearbeitete Ausgabe, hg. von Ludwig Finscher, Sachteil Bd. 2 (1995), Sp. 1345-1348.
  • Jens Haustein und Karl Stackmann (Hg.), Sangsprüche in Tönen Frauenlobs. Supplement zur Göttinger Frauenlob-Ausgabe. Unter Mitarbeit von Thomas Riebe und Christoph Fasbender, 2 Teile (Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, Philol.-Hist. Klasse III,232), Göttingen 2000, S. 20f.
  • Geistliche Gesänge des deutschen Mittelalters. Melodien und Texte handschriftlicher Überlieferung bis um 1530, Bd. 1: Gesänge A-D (Nr. 1-172). In Verbindung mit Mechthild Sobiela-Caanitz, Cristina Hospenthal und Max Schiendorfer hg. von Max Lütolf (Das deutsche Kirchenlied II,1), Kassel u.a. 2003, S. XXVI.
  • Katalog der deutschsprachigen illustrierten Handschriften des Mittelalters, begonnen von Hella Frühmorgen-Voss, fortgeführt von Norbert H. Ott zusammen mit Ulrike Bodemann, Bd. 4/1 (Lfg. 1/2, von Jeffrey F. Hamburger, Norbert H. Ott, Martin Roland, Marcus Schröter, Christine Stöllinger-Löser), München 2008, S. 7-10 (Nr. 27.0.3) und Abb. 3-4 [Christine Stöllinger-Löser]. [online]
  • Spruchsang. Die Melodien der Sangspruchdichter des 12. bis 15. Jahrhunderts, hg. von Horst Brunner und Karl-Günther Hartmann (Monumenta Monodica Medii Aevi 6), Kassel u.a. 2010.
  • Franziska Wenzel, Meisterschaft im Prozess. Der Lange Ton Frauenlobs - Texte und Studien. Mit einem Beitrag zu vormoderner Textualität und Autorschaft (Deutsche Literatur. Studien und Quellen 10), Berlin 2012, S. 336.
  • Katalog der deutschsprachigen illustrierten Handschriften des Mittelalters, begonnen von Hella Frühmorgen-Voss und Norbert H. Ott, hg. von Kristina Freienhagen-Baumgardt, Pia Rudolph und Nicola Zotz, Bd. 8,3/4 (Lektionar - Losbücher), München 2019, S. 406-409 (Nr. 76.7.1.) und Abb. 124. [online]
  • Nicole Eichenberger und Christoph Mackert, Überarbeitung und Online-Publikation der Erschließungsergebnisse aus dem DFG-Projekt zur Neukatalogisierung der ehemals Donaueschinger Handschriften in der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe, unter Mitarbeit von Ute Obhof sowie unter Einbeziehung von Vorarbeiten von Wolfgang Runschke und Sabine Lütkemeyer [Beschreibungen via Manuscripta Mediaevalia]. [online]
ArchivbeschreibungLudwig Pfannmüller (1913) 16 Bll.
Mitteilungen von Britta Bußmann, Gisela Kornrumpf, Sine Nomine
Teresa Reinhild Küppers, August 2021